Mehrsprachigkeit durch Kindergarten und Grundschulen: Chance oder Risiko?

Angesichts der Herausforderung, der sich nicht nur die Mitgliedsländer der EU im Hinblick auf die Vermittlung von (Fremd)Sprachen derzeit gegenüber sehen, ist ihre Frühvermittlungung unerläßlich. Dabei scheint es unzweckmäßig, den Beginn auf den Primarbereich zu beschränken. Kindergärten sollten einbezogen werden. In diesem Beitrag geht es vorrangig um die Frage, ob die bislang vorliegenden Erfahrungen und wissenschaftlichen Ergebnisse einen solchen Einbezug rechtfertigen oder ob abgeraten werden muß. Diese Ergebnisse lassen keinen Zweifel: Kinder nehmen nicht nur keinerlei Schaden, sondern durch die frühe Erfahrung von Mehrsprachigkeit werden sie in ihrer sprachlichen und kognitiven Entwicklung i.d.R. sogar gefördert. Es empfiehlt sich deshalb, daß die erste zusätzliche Sprache bereits im Kindergarten, möglichst schon im Alter von drei Jahren eingeführt und kontinuierlich im anschließenden Primarbereich weiter gefördert wird. Vom Sekundarbereich I an steht dann viel Zeit zur Verfügung, um z.B. nach dem Muster des derzeitigen bilingualen Unterrichts die zweite zusätzliche Sprache intensiv zu fördern. Im Gesamtergebnis erreichen Schüler auf diese Weise ein funktional angemessenes Niveau in mindestens drei Sprachen, nämlich in ihrer Muttersprache und zwei weiteren.

Nouveaux Cahiers d'allemand. Revue de linguistique de de didactique publiée avec le concours du Groupe Lexicographique de l'Université de Nancy 2, Bd 19, Heft 2, 157-178.